Weltliteratur oder "Lost in Translation". Möglichkeiten (inter)kultureller Verständigung seit der Zeit um 1800

Goethes Begriff der Weltliteratur ist fest in der deutschen und internationalen Literaturwissenschaft verankert. Dabei geht es Goethe um weit mehr als die literaturwissenschaftliche Dimension: Es geht um wechselseitige Verständigung, das Voneinander-Lernen, um (inter)kulturellen Austausch, der politische und wirtschaftliche Aspekte einschließt. Goethe lehnt eine globale Einheitskultur ebenso ab wie das Konzept einer allgemeinen Weltsprache.

“Übersetzen” bedeutet in diesem Sinne das – mitunter mühevolle – Überwinden von Distanzen, so wie man über einen Fluss setzt, um an das andere Ufer zu gelangen. Diese Sicht steht auf den ersten Blick im Gegensatz zu gleich zwei modernen Entwicklungen: die Globalisierung von kulturellen, sprachlichen, ökonomischen und politischen Prozessen und damit verbundene Tendenz zur Vereinheitlichung auf der einen Seite, die zunehmende Rückbesinnung auf das “Eigene” und die gleichzeitige Abwertung des “Fremden” auf der anderen Seite.

Der Weimarer Sommercampus geht vor diesem Hintergrund der Frage nach, wie die Unterschiedlichkeit der Kulturen zum Gegenstand von wechselseitigen Lernprozessen auf Augenhöhe werden kann. Wir befassen uns mit der Herausforderung der Übersetzbarkeit zwischen den Kulturen, auch angesichts ungleicher Machtverhältnisse. Außerdem setzen wir uns mit der Rolle traditioneller und neuer medialer Vermittlungswege auseinander und suchen nach konkreten Wegen gegenseitiger kultureller Ergänzung.

Eingeladen sind Menschen aller Alters- und Berufsgruppen, die sich mit dem Thema beschäftigen. Insbesondere ist die Veranstaltung für Menschen in lehrenden Berufen oder Studiengängen sowie aus dem Bereich der Kultur-, Literatur-, Übersetzungs- und Geschichtswissenschaft interessant. Der Sommercampus ist nicht nur eine Einladung zum Diskurs des Themas, sondern immer zugleich auch Erfahrungs- und Erprobungsraum.

Hier finden Sie das “Programm des Weimarer Sommercampus 2018.